Jump to main content

Institutsleitung 1942-1952

Prof. Dr. Ottmar Bühler †

Ottmar Bühler wurde 1884 in Zürich geboren. Den Hauptteil seiner Studienzeit verbrachte er an der Landesuniversität Tübingen. Er promovierte und habilitierte sich in der Württembergischen Verwaltung im öffentlichen Recht. Bühlers Spezialisierung auf das Steuerrecht 1919/20 setzte mit dem einschneidenden Umbruch auf dem Steuersektor durch Finanzminister Erzbergers Reform ein. Am 01.12.1942 übernahm Bühler den in Deutschland ersten speziellen Lehrstuhl für Finanz- und der Steuerrecht (Pausch, Persönlichkeiten Steuerkultur, 1992, 124). Nach dem Zusammenbrechen des Hitlerregimes war Bühler der erste deutsche Hochschullehrer, der ein "neues Beginnen wissenschaftlicher Arbeit am Steuerrecht" ankündigte und in seinem Kölner Institut für Steuerrecht mit der Aufarbeitung des zurückliegenden steuerfachlichen Unrechts begann. Für Bühler wurde im Zeichen der angespannten Besatzungsteuern die Forderung um so dringender, "beim Vollzug dieser Gesetze die rechtsstaatlichen Postulate, die der Hitlerstaat so weitgehend mißachtet hatte, wieder zur Geltung zu bringen". Im April 1947 initiierte er in Bonn die erste steuerwissenschaftliche Tagung der Nachkriegszeit, die sich mit der Neuorientierung des Steuerrechts befasste. Im Verlaufe des Bonner Tagungsprogramms verständigten sich die drei Fachdiziplinen der Universität zu Köln auf den ersten gemeinsamen Nachkriegslehrplan für das steuerwissenschaftliche Studium, um Finanzbeamten, Steuerberatern, Rechtsanwälten etc. die nötige Ausbildung bereitzustellen. Damit wurde Köln zur steuerwissenschaftlichen Hochburg der Nachkriegszeit (Pausch, Persönlichkeiten Steuerkultur, 1992, 130). Nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland wirkte Bühler im Wissenschaftlichen Beirat des Bundesfinanzministeriums bei der Neugestaltung der Steuergesetzgebung mit. Nach seiner Emeritierung 1952 überarbeitete er u.a. seinen zweibändigen Grundriss "Steuerrecht ", der 1951/53 als erstes Fachlehrbuch der Nachkriegszeit eine Lücke auf dem akademisches Büchermarkt schloss. Er verstarb 1965 im Alter von 80 Jahren in München. Die wissenschaftliche Nachwelt sieht Bühlers Hauptleistung in der festen Eingliederung des Steuerrechts in den Kreis der Rechts- und Staatswissenschaft (Pausch, Persönlichkeiten Steuerkultur, 1992, 132).