Institutsleitung 1967-1988
Prof. Dr. Klaus Tipke †
Klaus Tipke wurde 1925 im Kreis Stade/Niedersachsen geboren. Nachdem er für die letzten beiden Kriegsjahre noch zur Wehrmacht eingezogen worden und nach schwerer Kriegsverletzung gesundheitlich wiederhergestellt war, studierte er drei Semester Philosophie und sechs Semester Rechtswissenschaften in Hamburg. Nach dem zweiten juristischen Staatsexamen begann Tipke seinen steuerrechtlichen Beruf 1954 in der Finanzverwaltung Hamburg. Drei Jahre später wurde er an das Finanzgericht Hamburg berufen und war damals der jüngste Finanzrichter der Bundesrepublik. Neben seinem Richteramt baute Tipke seine literarische Prominenz in kurzer Zeit aus. Von 1957 bis 1966 veröffentlichte er in Fachzeitschriften achtzig Beiträge zum allgemeinen Abgabenrecht, zum Steuerprozessrecht, zum Einkommen- und Umsatzsteuerrecht. 1961/63 publizierte er gemeinsam mit Heinrich Wilhelm Kruse den Kommentar zur Reichsabgabenordnung. Von 1964 bis 1967 war er Lehrbeauftragter für Steuerrecht der Universität Hamburg. An die Universität zu Köln wurde Tipke 1966 berufen, wo er 1967 seine Lehrtätigkeit als Nachfolger von Armin Spitaler aufnahm. Zugleich beendete er seinen Richterdienst als Senatspräsident. Anfangs verirrten sich nur wenige Studenten in die steuerrechtlichen Vorlesungen, schon bald aber füllte Tipke den Hörsaal mehr und mehr. Dies lag zum einen an seiner überzeugenden Persönlichkeit und zum anderen daran, dass das Fach "Steuerrecht" an Prüfungsrelevanz gewann, indem es in Nordrhein-Westfalen - u.a. dank Tipkes Einsatz - selbständiges Wahlfach des rechtswissenschaftlichen Studiums wurde. Auch wurde "Steuerrecht" bald Wahlfach der WiSo-Studiengänge und somit schließlich zum "Fach der großen Hörsäle". 1973 erweiterte Tipke seine Vorlesungsskripte zu dem von ihm sog. "systematischen Grundriß Steuerrecht", der als Tipke/Lang zum Klassiker des deutschen Steuerrechts avancierte. Wie kein anderer verstand es Tipke, komplizierteste Begriffe und Zusammenhänge zu entschlüsseln und ein scheinbar trockenes Thema geradezu belletristisch abzuhandeln (Lang, StuW 1985, 301, 304). Tipke war der maßgebliche Mitbegründer der Deutschen Steuerjuristischen Gesellschaft, deren erster Vorstandsvorsitzender (1967 bis 1981) und Ehrenmitglied er wurde. Von 1973 bis 1988 war Tipke Herausgeber von Steuer und Wirtschaft. Mit seinen wegweisenden Arbeiten gilt Tipke als Gründer der "Kölner Schule des Steuerrechts", die dem "Chaos der Steuergesetze" eine Ordnung des Steuerrechts entgegensetzen will. Die von ihm entwickelte Lehre des inneren Systems des Steuerrechts fordert die einsichtige und folgerichtige Ausgestaltung der Besteuerung auf der Grundlage allgemein akzeptierter, meist verfassungskräftiger Rechtsprinzipien. Seine gesamte wissenschaftliche Forschung gipfelt in dem dreibändigen Werk "Die Steuerrechtsordnung", das er 1993 publizierte. Tipke rückt darin das Thema "Steuergerechtigkeit und Steuerrechtfertigung" in den Mittelpunkt seiner Überlegungen und entwickelt eine der Steuerethik verpflichtete Steuerlehre (Kirchhof, StuW 1996, 3, 4). Weltweit findet sich kein Werk, das die Grundlagen des Steuerrechts umfassender darlegt. Wohl vor allem wegen seiner "Steuerrechtsordnung" wurde Tipke Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften. Weitere maßgebliche Schriften von Tipke sind: Steuergerechtigkeit in Theorie und Praxis, 1981; Besteuerungsmoral und Steuermoral, 2000; Einkommensteuer-Wirrwar, 2006; Innere Sicherheit und Gewaltkriminalität, 1998. Tipke war Ehrenmitglied des Instituto Brasileiro de Direito tributario, Sao Paulo, des Instituto internacional de estudios de direito do estado, Porto Alegre, des Consejo del Instituto universitario de estudios fiscales, Murcia. Klaus Tipke verstarb am 13.5.2021 im Alter von 95 Jahren in Köln.
- Nachruf bei SZ-Online v. 14.5.2021
- Traueranzeige, FAZ v. 29.05.2021
- Englisch/Hey, In Memory Of: Klaus Tipke (1925-2021), Intertax 2021, 1056-1058
- Drüen, Nachruf auf Klaus Tipke, DStR 2021, 1385
- Hey, Klaus Tipke (1925–2021), JZ 2021, 721
- Seer, Klaus Tipke (8.11.1925 – 13.5.2021) – Leben im Dienst der Steuerrechtswissenschaft, FR 2021, 665
- Kirchhof, Klaus Tipke: Steuergerechtigkeit, StuW 2021, 189
Weitere Informationen über Klaus Tipke finden Sie bei
- Lang, Klaus Tipke 60 Jahre, StuW 1985, 301.
- Lang, Klaus Tipke als Steuerrechtslehrer, StuW 1991, 194.
- Balke, Die letzte Vorlesung - Klaus Tipkes Abschied von seinen Kölner Studenten, StuW 1991, 196.
- Tipke, Dankesworte (anlässlich der Verleihung des Gerhard-Thoma-Ehrenpreises 1993), StbJb 1993/94, Verlag Dr. Otto Schmidt, Köln 1994, 5.
- Lang, Über das Ethische der Steuertheorie von Klaus Tipke, in: Lang (Hrsg.), Die Steuerrechtsordnung in der Diskussion - Festschrift für Klaus Tipke zum 70. Geburtstag, Verlag Dr. Otto Schmidt, Köln 1995, 3.
- Schmidt, Prof. Dr. Klaus Tipke, ein ungewöhnlicher Wissenschaftlicher, wird 70, FR 1995, 761.
- Felix, Steuerrechtsordner Klaus Tipke - Notizen zum 70. Geburtstag des Vordenkers und Querdenkers sowie des Nachdenkers über das deutsche Steuerrecht, BB 1995, 2293.
- Balke, Symposion zu Ehren von Klaus Tipke aus Anlaß seines 70. Geburtstages, StuW 1996, 192.
- Lang, Vordenker der Steuergerechtigkeit - Klaus Tipke zum 75. Geburtstag, StuW 2001, 78.
- Lang, Klaus Tipke 80. Jahre, StuW 2005, 293.
- Englisch, Verwirklichung der Steuerrechtsordnung durch eine Rechtsreform - Bericht vom Symposion zum 80. Geburtstag von Klaus Tipke in Bonn, StuW 2006, 85.
- Molina, Schöpferische Steuerrechtswissenschaft - Zum 80. Geburtstag von Klaus Tipke, StuW 2006, 96.
- Mellinghoff, Wegbereiter einer gerechten und systematischen Steuerrechtsordnung - Klaus Tipke zum 90. und Joachim Lang zum 75. Geburtstag, StuW 2015, 297.
Die Schriftenverzeichnisse von Klaus Tipke finden Sie hier